Abenteuer Bibelstudium
Viele träumen davon, einmal im Leben richtige Abenteuer zu erleben. Weil das Leben aber oft dieser ermangelt, tauchen viele durch Bücher oder Filme in die Welt der Abenteuer ein. Kann das Bibelstudium hier überhaupt mithalten? Kann es wirklich abenteuerlich, sein in einem so alten Buch zu lesen? Du magst das vielleicht bezweifeln. Der Grund dafür ist offensichtlich, denn die Bibel überflutet einen nicht mit Reizen, wie es Filme oder Romane tun.
Das Studium der Bibel gleicht mehr einer Entdeckungsreise. Anfangs hat man manchmal das Gefühl, durch eine öde und trockene Wüste zu wandern. Wenn man aber entschlossen ist, die Reise an dieser Stelle nicht abzubrechen, sondern fortzusetzen, öffnet sich dem Leser eine neue, herrliche, unerforschte Welt, die einen ständig aufs Neue ins Staunen versetzt und unendliche Wunder entdecken und erleben lässt.
Willst du dich auf die abenteuerlichste Reise deines Lebens begeben? Je mehr man die Bibel kennt, desto mehr öffnet sie einem das Tor zu unendlichen Schätzen.
„Wenn wir über die erhabenen Gegenstände des Wortes Gottes nachsinnen, schauen wir gleichsam in einen Brunnen, der sich unter unserem Blicke ausdehnt und vertieft. Seine Breite und Tiefe übersteigt unsere Erkenntnis. Während wir so hinabblicken, erweitert sich die Schau: Vor uns sehen wir ein unbegrenztes, uferloses Meer daliegen.“ – Erziehung, S. 159.
Ich habe 10 Prinzipien für das Bibelstudium zusammengestellt, die uns auf dieser Reise zum gewünschten Ziel verhelfen können.
1. Unter Gebet, mit Ehrfurcht und Demut!
„Es sollte uns mit Demut erfüllen, wenn wir die Macht und die Weisheit Gottes, aber auch unsere Unfähigkeit erkennen, seine Größe zu fassen; wir sollten sein Wort mit derselben heiligen Ehrfurcht öffnen, als träten wir in seine persönliche Nähe.“ – Aus der Schatzkammer der Zeugnisse, Band. 2, S. 278.
„Lasst uns Gottes Wort ehrfürchtig aufschlagen, denn wir sind im Audienzzimmer des Allerhöchsten, in der direkten Gegenwart Gottes.” – The Signs of the Times, 26. Juni 1901.
2. Im Glauben
Das Wort Gottes enthält schöpferische Kraft. Aber wir müssen die Tür unseres Herzens öffnen, damit es in uns eindringen und seine Kraft entfalten kann. Wenn wir die Tür durch Unglauben versperren, kann das Wort nicht das tun, wozu es ausgesandt wurde.
„Aber ohne Glauben ist‘s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.“ (Hebräer 11, 6.)
Es bedeutet nicht nur zu glauben, sondern das Wort persönlich für sich anzunehmen, nicht mit der Einstellung „Ja, vielleicht erfüllen sich diese Verheißungen an anderen – aber nicht an mir.
Gott gibt uns nur so viel, wie viel wir bereit sind, im Glauben anzunehmen und in die Tat umzusetzen. Das ist wie mit der Missionsarbeit. Gott schickt uns nur so viele Menschen, wie vielen wir auch helfen können.
3. Ausdauernd!
„Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.“ (Matthäus 13, 44.)
Was ist der Acker in diesem Gleichnis? „Im Gleichnis stellt der Acker, welcher den Schatz enthält, die Heilige Schrift dar.“ – Christi Gleichnisse, S. 102.
Was aber ist dann der Schatz im Acker? „Das Evangelium ist der Schatz.“ – Christi Gleichnisse, S. 102.
Wie lag der Schatz im Acker? Er lag nicht an der Oberfläche, sondern tief in der Erde verborgen.
Wie kommt man an den Schatz? „Wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst; wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschest wie nach Schätzen: dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.“ (Sprüche 2, 3-5.)
„Selbst die irdischen Segnungen können nicht ohne ernstes, geduldiges, andauerndes Streben erlangt werden. Will jemand Erfolg im Geschäft haben, dann muss er mit einem festen Willen daran gehen, etwas schaffen zu wollen, und auch mit dem Vertrauen, dass er Erfolg haben wird. So können wir auch nicht erwarten, geistliche Erkenntnis ohne ernstes Streben zu erlangen. Wer die Schätze der Wahrheit zu finden wünscht, der muss danach graben, wie der Bergmann nach dem in der Erde verborgenen Schatz gräbt. Halbherzige, gleichgültige Arbeit wird nichts nützen. Jung und Alt müssen nicht nur das Wort Gottes lesen, sondern es mit Ernst studieren, darüber beten und nach der Wahrheit forschen wie nach einem verborgenen Schatz. Die dies tun, werden belohnt werden.“ – Christi Gleichnisse, S. 109.
4. Täglich, regelmäßig und planmäßig!
„Studiert die Schrift in euren Familien geplant. Wendet euch von allem ab, was von irdischer Natur ist. Verzichtet auf unnötige Näharbeiten und auf überflüssige Vorkehrungen für die Mahlzeiten. Achtet vielmehr darauf, dass die Seele mit dem Brot des Lebens genährt wird. Wir können kaum die positiven Ergebnisse einer oder einer halben Stunde ermessen, die wir täglich dem Wort Gottes freudig und gemeinsam widmen.“ – Ratschläge für das Sabbatschulwerk, S. 39.
„Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ (Matthäus 4, 4.)
Das Wort Gottes wird in diesem wohlbekannten Vers mit dem Brot oder unserer täglichen Speise verglichen. Was lehrt uns der Empfang des Mannas durch die Israeliten in der Wüste? Sie mussten das Manna jeden Morgen aufs Neue sammeln. Wenn sie etwas bis zum nächsten Tag aufbewahren wollten, verdarb es. Dadurch wollte Gott sie und uns lehren, dass wir täglich zu ihm und zu seinem Wort kommen sollen, um das zu empfangen, was wir für diesen einen Tag brauchen. Das, was wir gestern empfangen haben, ist für heute nicht mehr ausreichend. Das Studium des Wortes muss demnach eine tägliche, regelmäßige und geplante Gewohnheit werden.
5. Weniger ist mehr!
Es liegt nahe, zu denken, dass man mehr vom Studium hat, wenn man viel auf einmal in der Bibel liest. Wenn wir einfach nur oberflächlich ein Kapitel nach dem anderen durchlesen und uns davon Erfolg versprechen, werden wir nicht den erwünschten Erfolg haben. Denn Bibellesen „ist wie Essen. Man kann nur eine bestimmte Menge essen, wenn man keine Magenverstimmung, Gärung oder andere Probleme bekommen will. So ist es auch im geistlichen Leben. Lese ich schnell, ist es wie wenn ich das Essen hinunterschlucke ohne es zu kauen.“ – J. & S. Hohnberger, T. & A. Walters: Jesus heilt Herz und Heim, Bd. 3, S. 17.
Wir müssen langsamer und weniger lesen aber besser „kauen“. Weniger ist mehr!
„Wir sollten uns einen Vers vornehmen und uns ernsthaft bemühen, den Gedanken zu erfassen, den Gott für uns dort hineingelegt hat. Bei diesem Gedanken sollten wir so lange verweilen, bis wir ihn ganz in uns aufgenommen haben und wir wissen, was der Herr sagt.“ – Das Leben Jesu, S. 382.
Wir brauchen nicht mehr Wissen, sondern mehr praktische Bibelkenntnis – wie wir das, was wir schon wissen, in die Tat umsetzen können. Ich lese also ein wenig, lehne mich dann zurück und frage: „Gott, was bedeutet das für mich? Was hat das mit meiner jetzigen Situation oder meinen aktuellen Problemen zu tun? Wie kann ich es in meinem Alltag anwenden? Wie betrifft das Gelesene mich und nicht die anderen? (Denn wir lesen zu oft für andere.) Wie kann ich das Gelesene am heutigen Tag anwenden? Was möchte ich heute anders machen? Was heißt das für mich hier und jetzt?“
Am Ende des Studiums soll ich eine Entscheidung treffen, wie ich es praktisch anwenden kann, und mich Jesus übergeben.
6. Wähle dir ein Thema!
„Macht die Bibel zu ihrem eigenen Ausleger, indem ihr alles sammelt, was zu einem bestimmten Thema unter verschiedenen Umständen und zu unterschiedlichen Zeiten gesagt wurde.“ – Ratschläge für das Sabbatschulwerk, S. 39.
Wiederum können wir den Vergleich zum Essen ziehen. Wir sollen nicht wahllos essen, sondern sorgfältig die Zutaten wählen, die wir auch wirklich benötigen. Es kommt also auf die Qualität an. Wir müssen überlegen, was unserer Gesundheit dienlich ist, bzw. was meine Seele momentan benötigt.
Wir sollten deswegen ein Thema wählen, damit wir Antworten auf unsere alltäglichen Fragen und aktuelle Probleme erhalten. Zum Beispiel könnten wir uns fragen: „Wie überwinde ich Ärger, Appetit und andere Gefühle, die mich versklaven? Wie befreit mich Gott von falschen Gedanken, Worten, Gewohnheiten und Taten? Wie gehe ich mit dem Sünder um? Was bedeutet es, Gottes Stimme zu hören?
Als Jugendlicher kann ich fragen: Worin brauche ich praktische Ausbildung? Wie kann ich gleichzeitig Christ und erfolgreich sein? Wie gehe ich korrekt mit dem anderen Geschlecht um? Wie sieht gottgefällige Partnerwahl und Ehe aus?
Ein Ehepartner kann sich fragen: Wie kann ich eine Atmosphäre schaffen, in der auch mein Partner wachsen kann? Wie kann ich ein Partner werden, wie Gott ihn haben möchte?
Eltern können studieren: Wie findet man eine Balance zwischen Gerechtigkeit und Gnade in der Erziehung? Was ist himmlische Disziplin? Wo sollten wir wohnen? Was tut der Priester des Hauses? Was meint Gott damit, wenn er meint, wir sollen unserm Haus befehlen, was recht und gut ist?“ – J. & S. Hohnberger, T. & A. Walters: Jesus heilt Herz und Heim, Bd. 3, S. 24.
„Wir müssen unseren Willen beherrschen und dürfen den Gedanken nicht erlauben, dass sie abwandern und sich mal mit diesem, mal mit jenem Thema befassen, sodass wir uns in keinem wirklich auskennen... Stell dich mutig den Schwierigkeiten und kämpfe dagegen an, bemühe dich um Willenskraft und Geduld, und forsche noch intensiver, bis du es begriffen hast und alles klar und verständlich vor dir offen liegt! Und je schwieriger sich dieser Entdeckungsprozess gestaltete, umso mehr wirst du seine Ergebnisse schätzen. Wenn du sie begriffen hast, beschäftige dich nicht ausschließlich mit dieser einen Sache und gehe anderen nicht damit auf die Nerven, sondern wende dich einem neuen Thema zu und erforsche es ebenso genau. So wird sich dir ein Geheimnis nach dem anderen auftun.“ – Intellekt, Charakter und Persönlichkeit, Bd. 1, S. 95.
Wie bei der Ernährung müssen wir auch hier auf die Ausgewogenheit achten, damit wir alle Nährstoffe bekommen, was unsere Seele zum Leben braucht.
7. Steh früh auf und studiere persönlich!
Wenn die Israeliten nicht am Morgen das Manna sammelten, schmolz es während des Tages. Gleich wenn wir am Morgen aufstehen, sollten wir Jesu Beispiel folgen: „Und des Morgens vor Tage stand er auf und ging hinaus. Und Jesus ging in eine wüste Stätte und betete daselbst.“ (Markus 1, 35.)
Die frühen Morgenstunden, wo wir weder durch Personen noch durch Tagespflichten abgelenkt werden und Gott zu uns in der Stille sprechen kann, sollten wir dem persönlichen Bibelstudium widmen.
8. Studiere am Abend mit deiner Familie!
In 5. Mose 6, 7 lesen wir, dass wir vom Wort Gottes mit unserer Familie reden sollen, wenn wir uns am Abend niederlegen.
„Die Abende sollten die köstlichsten Stunden des Tages sein, die wir der Unterweisung der Kinder in den Wegen der Gerechtigkeit widmen.“ – Testimonies on Sabbath-School Work, S. 101.
9. Habe die Bibel immer bei dir!
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, wie gut und effektiv diese Methode des Bibelstudiums ist. Als ich mich mit 14 Jahren für Gott entschied, fand ich wegen der Schule, Musikschule, Arbeit etc. kaum Zeit zum Bibellesen. Aus diesem Grund hatte ich meine Bibel immer bei mir, und in den kurzen Augenblicken zwischendurch habe ich die Bibel aufgeschlagen und jeweils einen kleinen Absatz daraus gelesen. Mit dieser einfachen Methode konnte ich mit Gott kommunizieren und vieles von ihm lernen. Bis heute profitiere ich von diesen kurzen wertvollen Augenblicken, in denen Gott durch sein Wort zu mir sprach.
„Als Schüler trage deine Bibel immer bei dir. Ergibt sich die Gelegenheit, lies einen Text und denke darüber nach. Ob du auf der Straße gehst, im Bahnhof wartest oder einer Verabredung entgegensiehst: Nutze den Augenblick, dir irgendeinen kostbaren Gedanken aus der Schatzkammer der Wahrheit anzueignen.“ – Erziehung, S. 177.
„Regelmäßiges Bibelstudium ist das beste Mittel, die Liebe zu Gottes Wort zu vertiefen. Deshalb sollte man seine Bibel eigentlich überall griffbereit haben.“ – Erziehung, S. 200.
10. Lerne Verse und Kapitel auswendig!
„Wir müssen lernen, uns auf das Lesen der Schrift und gute, aufbauende Themen zu konzentrieren. Man kann Texte, ja sogar ganze Kapitel auswendig lernen, um sie dann zu wiederholen, wenn Satan mit seinen Versuchungen an uns herantritt. Das 58. Kapitel des Jesaja-Buches eignet sich zum Beispiel gut für diesen Zweck. Wappnet eure Seelen durch die Anweisungen und Hilfen, die durch die Inspiration des Geistes Gottes gegeben sind.“ – Intellekt, Charakter und Persönlichkeit, S. 90.
Das war die Methode, die auch die Waldenser sehr erfolgreich anwandten!
Auf uns warten so viele unvorstellbare Schätze und unentdeckte Welten. Nutzen wir unsere einmalige Gelegenheit! „Wir haben sozusagen an der Oberfläche des Bergwerkes gearbeitet, während weiter unten reiche Goldadern darauf warten, den Suchenden zu belohnen. Wenn wir den Schacht immer tiefer hinabtreiben, werden wir schließlich auf den Schatz stoßen.“ – Bilder vom Reiche Gottes, S. 86.
Unser Motto sollte dasselbe sein wie bei der Reformation des 16. Jahrhunderts: „Sola scriptura, sola gratia – Allein die Schrift, allein durch Gnade.“ Dann wird Gott uns und durch uns die Welt verändern können.

